Freundeskreis "Brücke nach Ufa"

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Herzlich Willkommen beim Freundeskreis "Brücke nach Ufa" e. V.!

Aus den ersten Begegnungen entwickelten sich, wuchsen und verbreiteten sich unsere gegenseitigen Kontakte. In beiden Ländern wurden viele Menschen aktiv.
Die  Zahl der Kooperationspartner wächst ständig weiter.

Unser Name ist bereits ein Programm: wir bauen Grenzen überschreitende Brücken!

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Ansprache von Anabel Platalla zum 19. Jahrestag
am 1. Juli 2021 an der Gedenkstätte Brachenreuthe:

Liebe Anwesende, die Sie und Ihr den Weg an diese Gedenkstätte gefunden habt.

Dieser Ort, an dem wir hier gerade stehen, ist ein verletzter Ort. Die Träume und Hoffnungen von 71 Menschen, darunter 49 Kinder und Jugendliche, fanden ein grausames Ende als in der Nacht vom 01. auf den 2. Juli 2002 eine russische Passagiermaschine mit einer Frachtmaschine der DHL unweit der Stadt Überlingen in 11km Höhe kollidierte. Trümmer wie Scherben vielen vom Himmel. Scherben der Erinnerung. Persönliche Gegenstände… Tagebücher, Fotoapparate, Kuscheltiere. Scherben so vieler Leben, die in dieser Nacht zerstört wurden. Die der Opfer und die ihrer Familien und Freunde, aber auch der Menschen am Boden. Scherben, die mit größter Anteilnahme und Mitmenschlichkeit geborgen wurden, aber auch Schnittwunden hinterließen. Sich zurechtfinden müssen in einem Leben, das nicht mehr so wird wie vorher. Einem Leben, das durch diese Nacht Risse bekommen hat, aus dem Vertrautes und Geliebtes herausgebrochen ist und Scherbenstücke verlorengegangen sind. Das Undenkbare denken und weitergehen, wie sollte das gehen? Wie soll das gehen?

Das Gebrochene wertschätzen, es zu sortieren und aufzubereiten – dieses Ziel verfolgen die japanischen „Kintsugi“-Spezialisten. „Kintsugi“ – das ist eine traditionelle Reparaturmethode für Keramik. Wenn eine wertvolle Keramik- oder Porzellanschale zerbricht, dann werden die Scherben behutsam aufgehoben, geordnet und wieder zusammengefügt. Das Besondere an dieser Aufbereitungsmethode ist, dass eben nicht nur Kitt und Lack für die Reparatur verwendet wird, sondern auch Goldstaub. Die Brüche wirken dadurch besonders kostbar und das Gefäß ist neu und glänzt. „Jede wiederhergestellte Schale zeigt: Ich bin gebrochen, an verschiedenen Stellen. Ich habe vieles überstanden. Es hat Mühe und Zeit gekostet, wieder ganz zu werden, wieder neu gefüllt werden zu können. Aber genau das macht mich einzigartig.“[1] So schreibt es Iris Macke in ihrem kurzen Bericht über die „Kintsugi“-Kunst.

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Erinnern… sich erinnern. Dafür sind wir heute Abend hier, an diesem besonderen Ort zusammengekommen. Sich erinnern an das, was hier passiert ist. Wo ich damals war, wer ich damals war. Wer ich heute bin und wo ich heute bin. Erinnern… das ist ein Blick darauf zu werfen auf das, was war: auf die Scherben, die aufgehoben wurden, auf die, die trotz aller Liebe, zu scharfkantig waren um aufgehoben zu werden oder aber auf die, die verlorengegangen sind.

Erinnern… sich erinnern. Das heißt aber auch einen Blick darauf zu werfen, auf das, was ist. Auf das Heute. Im Sinne der „Kintsugi“-Künstler - auf die gewordene Schale.

Diese Schale, mit ihren vergoldeten Bruchstellen – das ist, wie ich finde, auch ein wunderschönes Bild für diesen Ort aber auch für unsere Gemeinschaft heute Abend und für den Zusammenhalt der Menschen, die von diesem Unglück, in welcher Form auch immer, berührt wurden. Ein Bild für das Weitergehen, für Verbundenheit. Die Scherben, die vor 19 Jahren hier verstreut lagen, wurden aufgehoben. Sie wurden soweit sortiert und zusammengefügt, dass man sich an der einzelnen Scherbe nicht mehr so tief schneiden kann. Anders als das Gefäß unserer „Kintsugi“-Künstler ist das Gefäß der Erinnerung niemals fertig. Und das ist auch gut so. Es wird auch immer anders aussehen, da über 19 Jahre weitere kostbare Erinnerungsscherben hinzukamen und es, so hoffen wir, auch weiterhin immer mehr werden.

Die Verbindung zwischen Damals und Heute ist bei unserer Erinnerungsschale die goldbestaubte Kittmasse. Sie stützt das Bisherige und fixiert die hinzukommenden Scherbenstücke. Wie ein Mosaik sieht das aus. Die Kraft dieser Kittmasse durfte ich vor nunmehr zwei Jahren, als ich den Bodensee und die Menschen hier zum ersten Mal besuchte, am eigenen Leib spüren. Sie besteht aus Tränen, Vermissen und Ohnmacht aber eben auch aus Trost, Nähe, Gehaltensein, Zugewandtheit, Respekt, Toleranz und Füreinander da sein.

So gestalten wir heute Abend, mit Worten und Musik eine weitere gemeinsame Scherbe für unsere Erinnerungsschale. Wir verleihen ihr noch etwas mehr Farbe und lassen sie wachsen und füllen sie mit dem wichtigsten, das wir haben: mit Liebe.

Erinnern… da berühren sich Vergangenes und Gegenwärtiges. Umspannt von einer Liebe, die den Weltenverlauf ändert, Zeit und Raum verbindet und niemals endet. Mit Liebe zurückschauen, das wollen wir jetzt, auf die die waren und die wir in Liebe geborgen wissen.


[1] Macke, Iris, Goldene Spur, in: Der Andere Advent (02.12 – 2017/18).

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Wir kommunizieren international. Wir führen kulturelle Dialoge direkt von Mensch zu Mensch und im digitalen Netz. Wir informieren.

Wir tauschen uns fachkompetent in vielen Bereichen des Wissenstransfers aus.

Wir folgen den Leitsätzen der UNESCO, arbeiten mit UNESCO-Schulen und Einrichtungen zusammen und sind damit weltweit aktuell.

Wir koordinieren die Begegnungen zwischen Bürgern der Russischen Republik Baschkortostan und Bürgern aus Baden-Württemberg. Dabei beraten wir Personen und Institutionen bei der Ideenfindung, der Planung, der Durchführung  und der Qualitätskontrolle für internationale Partizipationsprojekte. Mit Hilfe unserer regionalen, nationalen und internationalen Netzwerke unterstützen wir unsere Partner beim Finden von Lösungen.

Wir sind eine NGO, eine nicht staatliche Einrichtung. Auf dieser Basis erfolgt die ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit unseren Partnern.

Unterstützung erhalten wir in beiden Ländern auch durch GO's, durch staatliche Einrichtungen.

Unser aller gemeinsames Ziel ist es, die Zukunft von morgen aktiv mitzugestalten.

Wir wollen Brücken bauen, nicht abbrechen!

Dabei ist uns und unseren deutschen und baschkirischen Partnern der Erhalt der nationalen Identität ein Anliegen. Wer diese Identität im intensiven und direkten Austausch erfahren hat, kann anders mit dem zunächst Fremden umgehen und besser Probleme lösen.

Wir respektieren jeden, wie er ist:  a n d e r s!!!

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16.10.2021
Am Freitag, den 29.10.2021 um 18:00 Uhr
08.07.2021

Sonntags von 13.06. bis 25.07.2021 

13.06.2021
Herzliche Einladung zur Gedenkzeremonie am 1. Juli 2021 um 20:00 Uhr an der Gedenkstätte Brachenreuthe.
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Persönliche Verantwortung und das Menschenrecht auf öffentliche Information als Kriterien einer funktionierenden Demokratie

29. Oktober um 18:00 – 19:30

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Wir vergleichen die Bienenzucht im Ural in Baschkortostan mit der Bienenzucht am Bodensee.  

"Apimondia und Apiexpo 2022 in Ufa"

19. Jahrestag

1. Juli 2021 um 20:00 Uhr an der Gedenkstätte Brachenreuthe.

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